Mein amerikanisches Tagebuch (56)

29. April 2019

Ich bin ein richtiger Amerikaner geworden. Den Kaffee bestelle ich mit Creamer und auf die Frage „How are you?“ antworte ich gar nicht erst. Nun stellt sich aber das Problem, dass ich bald schon wieder die USA verlassen muss und nach Berlin zurück kehre. ‚Ach du Scheiße!‘, dachte ich da, ‚Was nur tun?‘ Ich kenne mich in Berlin doch gar nicht mehr aus. Und deshalb beginne ich nun wieder mich behutsam heran zu tasten und habe nach langem Suchen eine Serie entdeckt, die auf ZDF Neo läuft, oder gelaufen ist und die frisch und frech aus dem modernen Berlin erzählt. ‚Nix Festes‘ heißt sie und ich habe mir alle vier Folgen reingezogen. Die Serie ist sehr lustig. Zwei in WG’s wohnende Drehbuchautorinnen, eine männlich, einer weiblich, die früher auch mal ein Paar waren, versuchen frische und freche Serien an Fernsehsender zu verkaufen, was ihnen nicht gelingt, da diese einfach zu frisch und zu frech sind. Deshalb sind sie manchmal frustriert und trinken viel und wollen viel ficken. Überhaupt wollen alle viel ficken, besonders natürlich die Schwulen. Alle haben dauernd Ideen, wie sie Geld verdienen können, aber es ist im Prinzip nicht so wichtig, die Miete ist schließlich billig, Hauptsache ficken und im Cafe sitzen. Merkwürdigerweise finden die Hauptfiguren andere, die wie sie aus Westdeutschland angereist sind um eine Weile abzuhängen, blöd und bezeichnen sie als Hipster. Dazwischen werden alle Nase lang aus unerfindlichen Motiven Berlin-Bilder geschnitten, Sonnenuntergang an der Oberbaumbrücke, Alexanderplatz, Karl-Marx-Allee, Hackescher Markt, wie bei einem Werbefilmchen der Tourismus-Industrie. Die Schauspielerinnen können nichts dafür, sie haben den Scheiß schließlich nicht verbockt. Sie müssen ja auch von irgendwas leben. Übrigens, der einzige, der während der vier Folgen Berliner Dialekt spricht, ist natürlich (Tätä!) ein Nazi, und natürlich (Tätä!) einer mit Glatze, Bomberjacke und Bierflasche in der Hand. Ob er auch Springerstiefel trug, konnte ich nicht erkennen, bis zu seinen Füßen schwenkte die Kamera nicht. Fazit: Absolut empfehlenswert diese Serie. Ein Schritt in die richtige Richtung, auf dass bald niemand mehr nach Berlin will.

Tipp für heute: Sich lieber das alte Video von Heinz Strunk zu seinem Superhit ‚Fernsehkoch‘ angucken.

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2 Kommentare zu “Mein amerikanisches Tagebuch (56)”

  1. 01

    Das mit den Schwulen mag ja noch angehen. Aber bist du dir sicher, dass wirklich alle viel ficken wollen und vor allem, dass die Miete billig ist? Also ich war auch weg, wenngleich nur drei Wochen, und gestern das erste Mal wieder auf den Berliner Straßen unterwegs, und ich muss sagen, ich habe lange nicht so viele kranke Menschen auf einen Haufen gesehen. Mein Tipp: Vielleicht solltest du dich etwas weniger behutsam auf deine Rückkehr vorbereiten. Übrigens, fällt mir gerade ein: Nicht nur Wohnungen in Berlin sollen enteignet, sondern auch BMW im fernen Bayern soll bald kollektiviert werden – das ist doch mal was, oder?!

    TaxiBerlin am 2. Mai 2019 um 09:17
  2. 02

    Ich bin mir sicher, dass die Miete nicht billig ist und ich bin mir auch ziemlich sicher, dass Schwule nicht mehr und nicht weniger ficken wollen, als Heterosexuelle, in der Serie jedoch wurde das so dargestellt. Aber war ja auch eine „lustige“ Serie. BMW wird kollektiviert? Warum nicht einfach geschlossen?

    Ahne am 2. Mai 2019 um 14:54

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